Mittwoch, 26. September 2018

Kommentare, Meinungsfreiheit, Zensur – wie das heddesheimblog funktioniert

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Guten Tag!

Heddesheim, 01. Oktober 2009. Das heddesheimblog ist innerhalb k├╝rzester Zeit die zentrale Informationsplattform f├╝r die Gemeinde Heddesheim geworden.
„Kritiker“ behaupten, sie w├╝rden es nie lesen – sind aber immer bestens durch uns informiert.
Fans beschweren sich, wenn es mal nur ein oder zwei Beitr├Ąge am Tag gibt.
Tatsache ist: Statistisch gesehen, lesen inzwischen rund 1.600 Leserinnen und Leser jeden Tag etwa f├╝nf bis sechs Artikel pro Tag auf dem heddesheimblog.

Von Hardy Prothmann

Das heddesheimblog ist eine journalistische Informationsplattform.

Die Redaktion versucht, die wesentlichen Nachrichten f├╝r den Ort abzubilden und einzuordnen – objektiv in der Berichterstattung, aber auch subjektiv und meinungsstark in der Einordnung.

Denn die Redaktion ist davon ├╝berzeugt, dass der Artikel 5 unserer Verfassung ├╝ber die Meinungsfreiheit einer der wichtigsten f├╝r eine demokratische Gesellschaft ist – ohne ein anderes Recht zu verletzen.

Seit Mai 2009 sind auf dem heddesheimblog ├╝ber 700 Artikel und fast 1400 Kommentare erschienen. Im Schnitt macht das 14 journalistische Texte und Kommentare pro Tag seit Mai 2009.

Das ist eine herausragende journalistische Leistung, die weder der Mannheimer Morgen, noch der SWR, noch die Rhein-Neckar-Zeitung, noch sonst ein Medium in der Region f├╝r sich in Bezug auf Heddesheim beanspruchen kann. Und schon gar nicht das Mitteilungsblatt der Gemeinde.

Aktuell gibt es rund 400 Kommentatoren, von denen etwa 120 sehr aktiv sind.

Jeder der ver├Âffentlichten Texte wird von der Redaktion gelesen und gepr├╝ft.

Die Redaktion bem├╝ht sich um h├Âchste Qualit├Ąt der Berichterstattung.

Dabei passieren auch Fehler.

Fehler der Redaktion dokumentieren wir unter der Kategorie „Korrektur„. Aktuell haben wir eine Fehlerquote von 0,001 Prozent insgesamt und 0,003 Prozent bezogen auf die Gesamtzahl unserer Artikel, die wir korrigieren mussten.

Das heddesheimblog hat mit seiner Berichterstattung zur ├Âffentlichen Meinungsbildung in der politischen Diskussion ├╝ber die geplante Ansiedlung der Unternehmensgruppe „Pfenning“ entscheidend beigetragen.

Dar├╝ber hinaus bildet das heddesheimblog qualitativ weitere Aspekte des ├Âffentlichen Lebens in Heddesheim exklusiver, aktueller und umfangreicher als jedes andere Medium in der Region ab – nicht jedoch quantitativ.

Denn die Gemeinde Heddesheim ver├Âffentlicht beispielsweise das Programm der Volkshochschule in umfangreicher Weise nur im Mitteilungsblatt.

Das hat aber mit Journalismus nichts zu tun.

Dar├╝ber hinaus gibt es die Informationen der Kirchen, der Vereine und anderer ├Âffentlicher Tr├Ąger, die ├╝berwiegend pflichtgem├Ą├č im Mitteilungsblatt stattfinden.

Auch das hat mit einem qualitativen Journalismus nichts zu tun.

Diese Dokumentationspflicht ist vertraglich oder gesetzlich geregelt und tangiert das heddesheimblog nicht.

Lokale und regionale Berichterstattung ist der Kern der journalistischen Informationsplattform „heddesheimblog.de“.

Berichte ├╝ber Feste und Veranstaltungen sind dabei f├╝r uns „normales“ Tagesgesch├Ąft, das wir st├Ąndig ausbauen.

Dar├╝ber hinaus bietet das heddesheimblog investigative Informationen und exklusive Berichterstattung.

Echten Journalismus eben.

Dar├╝ber hinaus beteiligt das heddesheimblog auch die B├╝rgerinnen und B├╝rger durch eine „redaktionell gepflegte“ Kommentarfunktion am ├Âffentlichen Geschehen – exklusiv. Kein anderes Medium in der Region kann diese ├Âffentliche Beteiligung auch nur im Ansatz vorweisen.

F├╝r die rege und verantwortliche Teilnahme daran bedankt sich die Redaktion bei allen Kommentatorinnen und Kommentatoren, die mit ihren fundierten Beitr├Ągen die ├Âffentliche Meinung mit gestalten.

Die meisten der Kommentatoren beachten die ungeschriebenen Regeln des Anstands und Respekts (und die lockeren Regeln des heddesheimblogs) und d├╝rfen deswegen ihre Beitr├Ąge ohne vorherige Pr├╝fung direkt online stellen.

Das ist ein gro├čes Kompliment an alle Kommentatorinnen und Kommentatoren. Bei fast allen websites sind Registrierungen notwendig. Beim heddesheimblog nicht, da die Beitr├Ąge unserer Leserinnen und Leser ├╝berwiegend vern├╝nftig sind und nicht reglementiert werden m├╝ssen. ­čÖé

Nat├╝rlich lesen wir trotzdem jeden dieser Texte.

Wir haben aber aktuell etwa zwei Dutzend Kommentatoren auf unserer „Beobachtungsliste„, die Beitr├Ąge schreiben, die nur zum Teil einer Ver├Âffentlichung zug├Ąnglich gemacht werden k├Ânnen, weil sie vors├Ątzlich oder aus Unkenntnis gegen unsere redaktionellen Regeln oder die des normalen Anstands versto├čen.

Das hat ├╝berhaupt nichts mit „Zensur“ zu tun und zugleich genau damit.

Manche Kommentatoren schie├čen regelm├Ą├čig ├╝bers Ziel hinaus. Dabei werden sie beleidigend und unsachlich. Oder sie stellen unhaltbare Behauptungen auf oder ├Ąu├čern sich ver├Ąchtlich – gegen├╝ber wem auch immer.

Solche Kommentare „zensiert“ die Redaktion regelm├Ą├čig – auch wenn es manchen der „zensierten“ Kommentatoren schwer f├Ąllt zu glauben, dass das „erlaubt“ ist. ├â┼ôberwiegend dient diese „Zensur“ deren eigenem Schutz – w├╝rden wir diese unhaltbaren Beitr├Ąge ├Âffentlich zug├Ąnglich machen, w├╝rde es Abmahnungen hageln.

Manchmal schreiben diese Leser dann wieder Kommentare, die nach ├â┼ôberzeugung der Redaktion zu ver├Âffentlichen sind. Wir w├Ągen hier ab und sind insgesamt – auch teilweise im pers├Ânlichen Kontakt mit den Kommentatoren – um eine m├Âglichst gro├če Meinungsvielfalt bem├╝ht.

„P├Âbel“-Texte oder nicht haltbare ├âÔÇ×u├čerungen in Kommentaren schalten wir nicht frei – unabh├Ąngig ├é┬ávon der Frequenz der Forderung dazu oder eingehenden Drohungen.

Manche Kommentatoren denken, dass sie eine pers├Ânlich-intensive Betreuung f├╝r sich beanspruchen k├Ânnen. Das ist leider nicht der Fall. Wir haben redaktionell keine M├Âglichkeit, uns mit jedem Kommentator ├╝ber jede Formulierung zu befassen.

Im Zweifel hilft bei ganz harten F├Ąllen ein Psychoanalytiker.

Fehlerhafte Kommentare schalten wir niemals frei – in den meisten F├Ąllen weisen wir auf die Fehler hin – in den meisten F├Ąllen werden diese nicht korrigiert.

Stattdessen wird moniert, dass wir Beitr├Ąge nicht frei schalten und es wird irgendwas von „Zensur“ gekreischt. Auch das geh├Ârt zum Alltagsgesch├Ąft.

Eine fehlerhafte redaktionelle Berichterstattung korrigieren wir sofort. Das gebietet unsere selbstverpflichtende Verantwortung gegen├╝ber der ├ľffentlichkeit.

Diese „Verantwortung“ wiederum definiert jede Redaktion selbst. Es gibt kein Gesetz dar├╝ber, was und wie eine Redaktion berichtet. Es gibt aber Gesetze, was erlaubt ist und was nicht. Darauf bezieht sich der Begriff der „Verantwortung“.

Ein Beispiel:
Bei der Berichterstattung haben wir einen Fehler gegen├╝ber der Unternehmensgruppe „Pfenning“ aus eigenem Antrieb sofort korrigiert. Das hatte keine juristischen Folgen.

Auch gegen├╝ber der Gemeinde Heddesheim haben wir einen unbeabsichtigten Fehler in der Berichterstattung begangen, den wir auch vor einer Reaktion der Gemeinde insofern korrigiert haben, als wir der Gemeinde trotz Kritik einen absolut richtigen Umgang mit der Erfassung und Darstellung von Zahlen best├Ątigt haben.

Die Gemeinde, respektive der B├╝rgermeister Michael Kessler, hat sich trotzdem entschlossen, ohne Vermittlung sogleich den Weg der juristischen Anklage zu w├Ąhlen.

Und das mit einem existenzbedrohendem Streitwert von 15.000 Euro. Dieser Wert ist l├Ącherlich in Bezug auf gro├če Unternehmen – er ist aber existenziell f├╝r kleine in der Entwicklung befindlichen Unternehmen wie dem heddesheimblog.

Das ist sowohl der Anwaltskanzlei als auch dem B├╝rgermeister Kessler bewusst.

Die journalistische Frage ist, ob Herr B├╝rgermeister Kessler genau darauf abzielt.

Die Redaktion kann nur konstatieren, dass sie Formulierungsfehler bedauert und sofort Korrekturen umgesetzt hat, im Kern aber an ihrer journalistischen Bewertung festh├Ąlt.

Denn der Artikel 5 des Grundgesetzes ├╝ber die Meinungsfreiheit steht nach Auffassung der Redaktion vor jedem anderen Recht.

Eine Meinung haben zu d├╝rfen, ist das wichtigste demokratische Gesetz.

Eine Meinung vertreten zu d├╝rfen, ist die wesentliche Voraussetzung f├╝r jede Demokratie.

Eine ├âÔÇ×u├čerung korrigieren zu d├╝rfen, wenn Sie Rechte anderer unbeabsichtigt verletzt haben sollte, muss jedem Menschen – auch Journalisten – erlaubt sein.

In einem Rechtsstaat ist es jedem erlaubt, „sein Recht“, egal ob es Sinn macht oder nicht, egal ob es existenzbedrohend ist oder nicht, gem├Ą├č aller geltenden Paragrafen durchzusetzen – auch B├╝rgermeistern, die angeblich „ihre Angestellten und Beamten“ sch├╝tzen wollen – vor was auch immer.

Dann muss sich der Durchsetzer der Paragrafen aber auch zu Recht „Paragrafenreiter“ nennen lassen d├╝rfen.

Denn das ist eine Meinungs├Ąu├čerung, die durch Artikel 5 des Grundgesetzes unbedingt gesch├╝tzt ist.

Das heddesheimblog steht f├╝r einen unabh├Ąngigen Journalismus.

Unabh├Ąngig von politischen Parteien, wirtschaftlichen Interessen oder Lobbyismus – egal von welcher Seite.

Das heddesheimblog hat aus eigenem Antrieb umfangreiche Korrekturen ├é┬áder eigenen Berichterstattung vorgenommen – ohne Freude, sondern mit viel ├âÔÇ×rger ├╝ber die eigene Nachl├Ąssigkeit, die diese Korrekturen in diesem Fall notwendig machten.

Gegen├╝ber der beauftragten Anwaltskanzlei der Gemeinde hat sich die Redaktion zu Korrekturen einer „missgl├╝ckten“ Formulierung bereit erkl├Ąrt und damit auch zur ├â┼ôbernahme einer ├Âffentlich wahrnehmbaren Korrektur der eigenen Berichterstattung.

Diese Form der eigenen „Schuldanerkennung“ in Bezug auf eine missgl├╝ckte Formulierung muss aus Sicht der Redakton reichen.

Wozu die Redaktion nicht bereit ist, ist jegliche Form der Unterzeichnung einer „Unterlassungserkl├Ąrung“ gleich welcher Art. Dazu muss die Redaktion „gezwungen“ werden.

Herr B├╝rgermeister Kessler oder wer auch immer kann sich nun entscheiden, etwas erzwingen zu wollen, oder eine Entschuldigung zu akzeptieren.

Nicht akzeptabel├é┬áf├╝r die Redaktion des heddesheimblogs sind ├âÔÇ×u├čerungen von wem auch immer, dass wir die Verwaltungsbeamten- und angestellten der Gemeinde in irgendeiner Weise schm├Ąhend oder ehrverletzend darstellen w├╝rden.

Im Gegenteil hat die Redaktion des heddesheimblogs Ger├╝chte ├╝ber eine „m├Âgliche Manipulation“ der B├╝rgerbefragung sofort aktiv gegenrecherchiert und ├╝ber diese unhaltbaren „Ger├╝chte“ berichtet.

H├Ątte die Redaktion einen Zweifel an der ordnungsgem├Ą├čen Durchf├╝hrung der B├╝rgerbefragung gehabt – h├Ątte sie umgehend dar├╝ber berichtet – diese Zweifel gab es aber nicht.

Das heddesheimblog berichtet unabh├Ąngig, frei und ohne Vorbehalte.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.