Samstag, 14. Dezember 2019

Kommentare, Meinungsfreiheit, Zensur – wie das heddesheimblog funktioniert

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Guten Tag!

Heddesheim, 01. Oktober 2009. Das heddesheimblog ist innerhalb kĂŒrzester Zeit die zentrale Informationsplattform fĂŒr die Gemeinde Heddesheim geworden.
„Kritiker“ behaupten, sie wĂŒrden es nie lesen – sind aber immer bestens durch uns informiert.
Fans beschweren sich, wenn es mal nur ein oder zwei BeitrÀge am Tag gibt.
Tatsache ist: Statistisch gesehen, lesen inzwischen rund 1.600 Leserinnen und Leser jeden Tag etwa fĂŒnf bis sechs Artikel pro Tag auf dem heddesheimblog.

Von Hardy Prothmann

Das heddesheimblog ist eine journalistische Informationsplattform.

Die Redaktion versucht, die wesentlichen Nachrichten fĂŒr den Ort abzubilden und einzuordnen – objektiv in der Berichterstattung, aber auch subjektiv und meinungsstark in der Einordnung.

Denn die Redaktion ist davon ĂŒberzeugt, dass der Artikel 5 unserer Verfassung ĂŒber die Meinungsfreiheit einer der wichtigsten fĂŒr eine demokratische Gesellschaft ist – ohne ein anderes Recht zu verletzen.

Seit Mai 2009 sind auf dem heddesheimblog ĂŒber 700 Artikel und fast 1400 Kommentare erschienen. Im Schnitt macht das 14 journalistische Texte und Kommentare pro Tag seit Mai 2009.

Das ist eine herausragende journalistische Leistung, die weder der Mannheimer Morgen, noch der SWR, noch die Rhein-Neckar-Zeitung, noch sonst ein Medium in der Region fĂŒr sich in Bezug auf Heddesheim beanspruchen kann. Und schon gar nicht das Mitteilungsblatt der Gemeinde.

Aktuell gibt es rund 400 Kommentatoren, von denen etwa 120 sehr aktiv sind.

Jeder der veröffentlichten Texte wird von der Redaktion gelesen und geprĂŒft.

Die Redaktion bemĂŒht sich um höchste QualitĂ€t der Berichterstattung.

Dabei passieren auch Fehler.

Fehler der Redaktion dokumentieren wir unter der Kategorie „Korrektur„. Aktuell haben wir eine Fehlerquote von 0,001 Prozent insgesamt und 0,003 Prozent bezogen auf die Gesamtzahl unserer Artikel, die wir korrigieren mussten.

Das heddesheimblog hat mit seiner Berichterstattung zur öffentlichen Meinungsbildung in der politischen Diskussion ĂŒber die geplante Ansiedlung der Unternehmensgruppe „Pfenning“ entscheidend beigetragen.

DarĂŒber hinaus bildet das heddesheimblog qualitativ weitere Aspekte des öffentlichen Lebens in Heddesheim exklusiver, aktueller und umfangreicher als jedes andere Medium in der Region ab – nicht jedoch quantitativ.

Denn die Gemeinde Heddesheim veröffentlicht beispielsweise das Programm der Volkshochschule in umfangreicher Weise nur im Mitteilungsblatt.

Das hat aber mit Journalismus nichts zu tun.

DarĂŒber hinaus gibt es die Informationen der Kirchen, der Vereine und anderer öffentlicher TrĂ€ger, die ĂŒberwiegend pflichtgemĂ€ĂŸ im Mitteilungsblatt stattfinden.

Auch das hat mit einem qualitativen Journalismus nichts zu tun.

Diese Dokumentationspflicht ist vertraglich oder gesetzlich geregelt und tangiert das heddesheimblog nicht.

Lokale und regionale Berichterstattung ist der Kern der journalistischen Informationsplattform „heddesheimblog.de“.

Berichte ĂŒber Feste und Veranstaltungen sind dabei fĂŒr uns „normales“ TagesgeschĂ€ft, das wir stĂ€ndig ausbauen.

DarĂŒber hinaus bietet das heddesheimblog investigative Informationen und exklusive Berichterstattung.

Echten Journalismus eben.

DarĂŒber hinaus beteiligt das heddesheimblog auch die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger durch eine „redaktionell gepflegte“ Kommentarfunktion am öffentlichen Geschehen – exklusiv. Kein anderes Medium in der Region kann diese öffentliche Beteiligung auch nur im Ansatz vorweisen.

FĂŒr die rege und verantwortliche Teilnahme daran bedankt sich die Redaktion bei allen Kommentatorinnen und Kommentatoren, die mit ihren fundierten BeitrĂ€gen die öffentliche Meinung mit gestalten.

Die meisten der Kommentatoren beachten die ungeschriebenen Regeln des Anstands und Respekts (und die lockeren Regeln des heddesheimblogs) und dĂŒrfen deswegen ihre BeitrĂ€ge ohne vorherige PrĂŒfung direkt online stellen.

Das ist ein großes Kompliment an alle Kommentatorinnen und Kommentatoren. Bei fast allen websites sind Registrierungen notwendig. Beim heddesheimblog nicht, da die BeitrĂ€ge unserer Leserinnen und Leser ĂŒberwiegend vernĂŒnftig sind und nicht reglementiert werden mĂŒssen. 🙂

NatĂŒrlich lesen wir trotzdem jeden dieser Texte.

Wir haben aber aktuell etwa zwei Dutzend Kommentatoren auf unserer „Beobachtungsliste„, die BeitrĂ€ge schreiben, die nur zum Teil einer Veröffentlichung zugĂ€nglich gemacht werden können, weil sie vorsĂ€tzlich oder aus Unkenntnis gegen unsere redaktionellen Regeln oder die des normalen Anstands verstoßen.

Das hat ĂŒberhaupt nichts mit „Zensur“ zu tun und zugleich genau damit.

Manche Kommentatoren schießen regelmĂ€ĂŸig ĂŒbers Ziel hinaus. Dabei werden sie beleidigend und unsachlich. Oder sie stellen unhaltbare Behauptungen auf oder Ă€ußern sich verĂ€chtlich – gegenĂŒber wem auch immer.

Solche Kommentare „zensiert“ die Redaktion regelmĂ€ĂŸig – auch wenn es manchen der „zensierten“ Kommentatoren schwer fĂ€llt zu glauben, dass das „erlaubt“ ist. ÃƓberwiegend dient diese „Zensur“ deren eigenem Schutz – wĂŒrden wir diese unhaltbaren BeitrĂ€ge öffentlich zugĂ€nglich machen, wĂŒrde es Abmahnungen hageln.

Manchmal schreiben diese Leser dann wieder Kommentare, die nach ÃƓberzeugung der Redaktion zu veröffentlichen sind. Wir wĂ€gen hier ab und sind insgesamt – auch teilweise im persönlichen Kontakt mit den Kommentatoren – um eine möglichst große Meinungsvielfalt bemĂŒht.

„Pöbel“-Texte oder nicht haltbare Äußerungen in Kommentaren schalten wir nicht frei – unabhĂ€ngig  von der Frequenz der Forderung dazu oder eingehenden Drohungen.

Manche Kommentatoren denken, dass sie eine persönlich-intensive Betreuung fĂŒr sich beanspruchen können. Das ist leider nicht der Fall. Wir haben redaktionell keine Möglichkeit, uns mit jedem Kommentator ĂŒber jede Formulierung zu befassen.

Im Zweifel hilft bei ganz harten FĂ€llen ein Psychoanalytiker.

Fehlerhafte Kommentare schalten wir niemals frei – in den meisten FĂ€llen weisen wir auf die Fehler hin – in den meisten FĂ€llen werden diese nicht korrigiert.

Stattdessen wird moniert, dass wir BeitrĂ€ge nicht frei schalten und es wird irgendwas von „Zensur“ gekreischt. Auch das gehört zum AlltagsgeschĂ€ft.

Eine fehlerhafte redaktionelle Berichterstattung korrigieren wir sofort. Das gebietet unsere selbstverpflichtende Verantwortung gegenĂŒber der Öffentlichkeit.

Diese „Verantwortung“ wiederum definiert jede Redaktion selbst. Es gibt kein Gesetz darĂŒber, was und wie eine Redaktion berichtet. Es gibt aber Gesetze, was erlaubt ist und was nicht. Darauf bezieht sich der Begriff der „Verantwortung“.

Ein Beispiel:
Bei der Berichterstattung haben wir einen Fehler gegenĂŒber der Unternehmensgruppe „Pfenning“ aus eigenem Antrieb sofort korrigiert. Das hatte keine juristischen Folgen.

Auch gegenĂŒber der Gemeinde Heddesheim haben wir einen unbeabsichtigten Fehler in der Berichterstattung begangen, den wir auch vor einer Reaktion der Gemeinde insofern korrigiert haben, als wir der Gemeinde trotz Kritik einen absolut richtigen Umgang mit der Erfassung und Darstellung von Zahlen bestĂ€tigt haben.

Die Gemeinde, respektive der BĂŒrgermeister Michael Kessler, hat sich trotzdem entschlossen, ohne Vermittlung sogleich den Weg der juristischen Anklage zu wĂ€hlen.

Und das mit einem existenzbedrohendem Streitwert von 15.000 Euro. Dieser Wert ist lĂ€cherlich in Bezug auf große Unternehmen – er ist aber existenziell fĂŒr kleine in der Entwicklung befindlichen Unternehmen wie dem heddesheimblog.

Das ist sowohl der Anwaltskanzlei als auch dem BĂŒrgermeister Kessler bewusst.

Die journalistische Frage ist, ob Herr BĂŒrgermeister Kessler genau darauf abzielt.

Die Redaktion kann nur konstatieren, dass sie Formulierungsfehler bedauert und sofort Korrekturen umgesetzt hat, im Kern aber an ihrer journalistischen Bewertung festhÀlt.

Denn der Artikel 5 des Grundgesetzes ĂŒber die Meinungsfreiheit steht nach Auffassung der Redaktion vor jedem anderen Recht.

Eine Meinung haben zu dĂŒrfen, ist das wichtigste demokratische Gesetz.

Eine Meinung vertreten zu dĂŒrfen, ist die wesentliche Voraussetzung fĂŒr jede Demokratie.

Eine Äußerung korrigieren zu dĂŒrfen, wenn Sie Rechte anderer unbeabsichtigt verletzt haben sollte, muss jedem Menschen – auch Journalisten – erlaubt sein.

In einem Rechtsstaat ist es jedem erlaubt, „sein Recht“, egal ob es Sinn macht oder nicht, egal ob es existenzbedrohend ist oder nicht, gemĂ€ĂŸ aller geltenden Paragrafen durchzusetzen – auch BĂŒrgermeistern, die angeblich „ihre Angestellten und Beamten“ schĂŒtzen wollen – vor was auch immer.

Dann muss sich der Durchsetzer der Paragrafen aber auch zu Recht „Paragrafenreiter“ nennen lassen dĂŒrfen.

Denn das ist eine MeinungsĂ€ußerung, die durch Artikel 5 des Grundgesetzes unbedingt geschĂŒtzt ist.

Das heddesheimblog steht fĂŒr einen unabhĂ€ngigen Journalismus.

UnabhĂ€ngig von politischen Parteien, wirtschaftlichen Interessen oder Lobbyismus – egal von welcher Seite.

Das heddesheimblog hat aus eigenem Antrieb umfangreiche Korrekturen  der eigenen Berichterstattung vorgenommen – ohne Freude, sondern mit viel Ärger ĂŒber die eigene NachlĂ€ssigkeit, die diese Korrekturen in diesem Fall notwendig machten.

GegenĂŒber der beauftragten Anwaltskanzlei der Gemeinde hat sich die Redaktion zu Korrekturen einer „missglĂŒckten“ Formulierung bereit erklĂ€rt und damit auch zur ÃƓbernahme einer öffentlich wahrnehmbaren Korrektur der eigenen Berichterstattung.

Diese Form der eigenen „Schuldanerkennung“ in Bezug auf eine missglĂŒckte Formulierung muss aus Sicht der Redakton reichen.

Wozu die Redaktion nicht bereit ist, ist jegliche Form der Unterzeichnung einer „UnterlassungserklĂ€rung“ gleich welcher Art. Dazu muss die Redaktion „gezwungen“ werden.

Herr BĂŒrgermeister Kessler oder wer auch immer kann sich nun entscheiden, etwas erzwingen zu wollen, oder eine Entschuldigung zu akzeptieren.

Nicht akzeptabel fĂŒr die Redaktion des heddesheimblogs sind Äußerungen von wem auch immer, dass wir die Verwaltungsbeamten- und angestellten der Gemeinde in irgendeiner Weise schmĂ€hend oder ehrverletzend darstellen wĂŒrden.

Im Gegenteil hat die Redaktion des heddesheimblogs GerĂŒchte ĂŒber eine „mögliche Manipulation“ der BĂŒrgerbefragung sofort aktiv gegenrecherchiert und ĂŒber diese unhaltbaren „GerĂŒchte“ berichtet.

HĂ€tte die Redaktion einen Zweifel an der ordnungsgemĂ€ĂŸen DurchfĂŒhrung der BĂŒrgerbefragung gehabt – hĂ€tte sie umgehend darĂŒber berichtet – diese Zweifel gab es aber nicht.

Das heddesheimblog berichtet unabhÀngig, frei und ohne Vorbehalte.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.