Mittwoch, 08. April 2020

Offener Brief an die CDU: „Das ist Volksverdummung!“

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Guten Tag Herr Wittneben, sehr geehrte CDU Heddesheim,

sp├Ątestens nach Ihrer, vielleicht sogar gutgemeinten, Wurfsendung zum Thema Pfennig ist eine Stimmvergabe an einen CDU Kandidaten n├Ąchste Woche unm├Âglich geworden:

Sie werfen der IG Nein-zu-Pfenning „verdrehte oder unwahre Argumente“ (Zitat) vor. Sie selber sind Dank Ihrer Wurfsendung noch viel schlimmer!

Die 7 Fragen / Aussagen sind absolute Volksverdummung!

Hier meine Begr├╝ndung:

1) „Arbeitspl├Ątze sind mir wichtig.“: Clevere Formulierung, da jeder normal denkende Mensch zuerst anerkennend nicken wird. Was hat dies mit der Ansiedlung der Firma Pfenning zu tun? Nat├╝rlich nichts. Mit der Ansiedlung dieser Firma kommt es, betriebswirtschaftlich absolut sinnvoll, zu gew├╝nschten Synergieeffekten, so dass zumindest in der Verwaltung sogar Arbeitspl├Ątze wegfallen k├Ânnten. Arbeitspl├Ątze werden hier nicht neu geschaffen, die jetzigen Arbeitnehmer fahren morgens anstatt nach Viernheim halt nach Heddesheim. Dies gilt auch f├╝r die Ausbildungspl├Ątze (siehe Punkt 5) Von den Sub-Unternehmen, die ├╝berhaupt keinen Mehrwert bringen und nur die Luft mit Ihren Trucks verpesten, ganz zu schweigen.

2) „Der Erhalt unserer ├Âffentlichen Einrichtungen ist mir wichtig.„: Nat├╝rlich, dieser Hinweis suggeriert, dass a) in Heddesheim alle ├Âffentliche Einrichtungen geschlossen werden m├╝ssen, wenn Pfenning nicht kommt und b) Pfenning ├╝berhaupt nennenswerte Steuern zahlt.

3) „Solide Gemeindefinanzen sind mir wichtig.“: Was soll eigentlich immer diese Anh├Ąufung von Selbstverst├Ąndlichkeiten? Nat├╝rlich sind solide Finanzen im Gemeindehaushalt immer wichtig. Warum stellen Sie sich als CDU nicht hin und sagen: Die Firma Pfenning zahlt uns auf Jahre konstante und hohe Steuern, so da├č die Gemeindefinanzen stets solide sind. Dies k├Ânnen Sie nicht, da Sie es ja nicht wissen, ob dies der Fall ist. Hier spielt nur das Prinzip Hoffnung eine Rolle.

Nach meinem Recherchen tritt die Firma Pfenning im Gewerbegebiet als Mieter(!) auf, zahlt also an eine (Tochter-)firma Miete, so dass es hier zu einer Gewinnverrechnung kommt. Sehr clever von diesem Logistik-Unternehmen. Aber die Gemeinde geht, was Gewerbesteuer betrifft, hier wahrscheinlich auf Jahre leer aus.

4) „Ich akzeptiere eine Erh├Âhung des Durchgangsverkehrs auf der Ringstra├če.“ Wenigstens hier bleiben sie ehrlich. Als direkter Ringstra├čenbewohner kann ich hier nat├╝rlich nur dagegen sein. Alle Immobilien in 100 Meter Radius zur Ringstra├če werden quasi ├╝ber Nacht weniger wert sein. Die Ringstra├če wurde damals nicht f├╝r so viele Lkw entworfen. Ansonsten h├Ątte man entweder den L├Ąrmschutz verst├Ąrkt oder einer Ansiedlung bis zur Stra├če seitens der Gemeinde gar nicht zugestimmt.

Sehr geehrte CDU-Gemeinderatsmitglieder und die, die es werden wollen:
Haben Sie an die untragbare Gef├Ąhrdung der Fu├čg├Ąnger gedacht?
Schon jetzt ist es f├╝r ├Ąltere Mitb├╝rger und Kinder lebensgef├Ąhrlich von der Ahornstrasse z.B. zum Hallenbad, Baggersee oder Eislaufbahn zu kommen. Ein Wunder, dass hier noch nicht mehr passiert ist. Hier fehlt (und dies wird durch die Zunahme des LKW Verkehrs noch verst├Ąrkt) entweder eine Unterf├╝hrung oder eine ├â┼ôberf├╝hrung f├╝r Radfahrer und Fu├čg├Ąnger. Und kommen sie mir nicht mit der Ampel bei der Kepler-Schule. Von der Ahornstrasse ist diese ├╝ber 300 Meter weiter weg und keine Alternative.

5) „Arbeitspl├Ątze f├╝r unsere Jugend sind mir wichtig.“: Dasselbe Problem wie oben: Ein allgemeiner Hinweis, dem jeder zustimmen kann, wird hier auf den Einzelfall ├╝bertragen. Billig, billig!

Ich gehe hier mit jedem von Ihnen eine Wette ein: Es wird aufgrund der Ansiedlung kein Azubi mehr eingestellt als fr├╝her. Ich w├╝nsche zuk├╝nftigen Auszubildenden aus Heddesheim eine erfolgreiche Bewerbung bei der Firma Pfennig in Viernheim! Ich denke die Entfernung nach Viernheim nimmt jeder Auszubildende gerne in Kauf. Warum sollte die Ansiedlung mehr Ausbildungspl├Ątze bringen? Dies unterstellt ja wohl Ihre Aussage.

6) „Eine, f├╝r die Gemeinde risikofreie Entwicklung….ist mir wichtig.“: Ja, aber Gewerbetreibende, die weniger Fl├Ąche
verbrauchen sind mir noch wichtiger. Ein Beton-Schandfleck f├╝r Heddesheim ist kilometerweit sichtbar. Ein Gewerbemix mit vielen kleineren Unternehmen unterschiedlichster Pr├Ągung ist mittelfristig finanziell sogar besser, da das Risiko breiter gestreut wird. Bei kleineren Unternehmen werden auch nicht so horrende Erschlie├čungskosten zu zahlen sein.

7) „Der Wandel von Ackerland hin zu gewerblich genutzter Fl├Ąche ist f├╝r mich akzeptabel.“: Und wieder: ja im allgemeinen schon (zumal diese Fl├Ąche, schon immer als Gewerbegebiet ausgewiesen war). Im besonderen aber nein! Diese Betonburg ist einfach 10 Nummern zu gro├č. Schauen Sie bitte mal Richtung Bergstra├če. Schon die Erweiterung der EDEKA war grenzwertig. Mit der Firma Pfennig setzt man sogar noch einen drauf. Betonw├Ąnde soweit das Auge reicht. Aber ich kann ja dann nach Ladenburg fahren, wenn ich die Bergstra├če sehen m├Âchte…

Fazit: Die Firma Pfennig ist f├╝r Heddesheim eine Nummer zu gro├č. Die Nachteile ├╝berwiegen bei Weitem. Um eines klar zu stellen: Ich habe nichts gegen die Firma Pfenning an sich. Betriebswirtschaftlich kann man zu Standortfrage nur gratulieren. Durch den neuen geplanten Standort verschafft man sich Wettbewerbsvorteile gegen├╝ber den anderen Logistik Firmen. Nur die Auswirkungen f├╝r die Heddesheimer B├╝rger sind nicht akzeptabel. Verbaute Fl├Ąche, zersiedelte Landschaft, mehr Dreck mehr L├Ąrm. Viele Minuszeichen, die Sie als Vertreter der B├╝rger einfach ├╝bergehen.

Deshalb sage ich: Nein zu Pfennig und nein zur CDU Heddesheim!!

Mit freundlichen Gr├╝├čen

Steffen Warmuth

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.